Zwei Traditionen, ein Gedanke.

Warum der gemeinsame Fastenbeginn 2026 eine Chance ist, die wir nicht verpassen sollten.

Derselbe Tag. Zwei Wege. Ein Ziel.

Am 18. Februar 2026 passiert etwas, das selten vorkommt: Aschermittwoch und der erste Fastentag des Ramadan fallen auf denselben Tag. In Österreich beginnen damit für Millionen Menschen gleichzeitig zwei Fastenzeiten – eine christliche und eine muslimische. Unterschiedliche Traditionen, unterschiedliche Regeln, unterschiedliche Gebete. Aber ein gemeinsamer Kern: der bewusste Verzicht. Die Hinwendung zu dem, was wirklich zählt. Und die Frage, wie es anderen geht.

Rund 55 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind katholisch, etwa acht Prozent muslimisch. Das sind zusammen Millionen Menschen, die in den kommenden Wochen fasten – freiwillig, aus Überzeugung, als Ausdruck ihres Glaubens. In der christlichen Tradition dauert die Fastenzeit 40 Tage bis Ostern. Im Islam umfasst der Ramadan 30 Tage bis Eid al-Fitr, voraussichtlich um den 20. März.

Was beide Traditionen verbindet: Es geht nicht nur ums Essen. Es geht um Mitgefühl. Um Dankbarkeit für das, was man hat. Und um Solidarität mit denen, die nichts haben.

318 Millionen Menschen fasten nicht freiwillig

Während wir in Österreich darüber nachdenken, worauf wir in den nächsten Wochen verzichten – Schokolade, Alkohol, das Handy am Abend – ist Hunger für 318 Millionen Menschen weltweit kein Vorsatz, sondern Alltag. 318 Millionen. Mehr als doppelt so viele wie vor der Pandemie.

Die UN-Ernährungsorganisationen haben Ende 2025 Alarm geschlagen: In 16 Ländern droht die Hungerlage bis Mai 2026 weiter zu eskalieren. In sechs davon – Sudan, Gaza, Südsudan, Mali, Haiti und Jemen – herrschen bereits Hungersnöte oder famineähnliche Zustände. In Afghanistan sind 17 Millionen Menschen akut von Hunger betroffen. Im Sudan brauchen 33,7 Millionen Menschen – fast zwei Drittel der Bevölkerung – dringend humanitäre Hilfe.

Für Ghairat Khan, einen Lehrer in der afghanischen Provinz Parwan, der vor sechs Monaten seinen Job verloren hat, ist dieser Ramadan anders als alle zuvor. Er ernährt neun Menschen mit Gelegenheitsarbeit. Zum Iftar gibt es Bolani – Gemüsefladenbrot – mit Tee. Mehr ist nicht drin.
Für eine Mutter in Somalia, die leeres Wasser kocht, damit ihre Kinder einschlafen, weil es nichts zu essen gibt, hat der Fastenbegriff eine ganz andere Bedeutung.

Was Fastenzeit und Ramadan gemeinsam haben

Die christliche Fastenzeit ruht auf drei Säulen: Fasten, Gebet und Almosen. Die Diözese Innsbruck beschreibt sie als „Zeit der Besinnung und der Umkehr“. Der Gedanke: Weniger für mich, mehr für andere.

Im Islam ist der Ramadan einer der fünf Pfeiler des Glaubens. Fasten von der Morgen- bis zur Abenddämmerung, verstärktes Gebet und erhöhte Spendenbereitschaft prägen den Monat. Zakat, die Pflichtabgabe, und Sadaqah, die freiwillige Spende, erreichen im Ramadan ihren Höhepunkt. Der Gedanke dahinter: Wer spürt, wie es sich anfühlt, nichts zu essen, versteht besser, was es bedeutet, arm zu sein.

UN-Generalsekretär António Guterres hat es in seiner Ramadan-Botschaft 2026 so formuliert: Der Ramadan trage eine Vision von Hoffnung und Frieden in sich. Eine Einladung, Gräben zu überbrücken und denen zu helfen, die leiden. Das ist kein exklusiv muslimischer Gedanke. Es ist ein zutiefst menschlicher.

Warum gerade 2026 jede Spende zählt

Die globale Hungerkrise trifft 2026 auf eine beispiellose Finanzierungslücke. In den USA wurden seit Anfang 2025 mehr als 80 Prozent der USAID-Programme gestrichen – die größte einzelne Quelle humanitärer Hilfe weltweit. Das Welternährungsprogramm muss Rationen kürzen und Programme zurückfahren. In Somalia ist der humanitäre Hilfsplan nur zu einem Viertel finanziert, der Bereich Wasser und Hygiene mit gerade einmal 22 Prozent am stärksten unterfinanziert.
Was das konkret bedeutet: Wenn staatliche Gelder wegbrechen, hängen Millionen Menschenleben an privaten Spenden. An der Entscheidung von Einzelnen, ob sie etwas geben oder nicht. Genau das ist der Kern der Fastenzeit – christlich wie muslimisch: Der Verzicht ist nicht Selbstzweck. Er ist ein Weg, den Blick auf andere zu richten.

Was World Vision in dieser Zeit tut

World Vision ist in vielen der am stärksten betroffenen Länder seit Jahrzehnten vor Ort – in Somalia seit 1993, in Afghanistan seit 2001, in Syrien seit 2011. Allein im vergangenen Jahr wurden fast neun Millionen Menschen mit Nahrungsmittelhilfe erreicht und 180.000 Kinder unter fünf Jahren wegen akuter Mangelernährung behandelt. Über 86 Prozent haben sich vollständig erholt.
Im Sudan hat World Vision trotz eskalierender Kämpfe und massiver Zugangsbeschränkungen 1,8 Millionen Menschen mit lebensrettender Hilfe erreicht. In Afghanistan verteilt das Welternährungsprogramm, unterstützt von Organisationen wie World Vision, Nahrungsmittel und Bargeld an die Verwundbarsten – damit Familien wie die von Ghairat Khan den Ramadan nicht hungrig verbringen müssen.

Aber Nothilfe allein reicht nicht. Deshalb investiert World Vision gleichzeitig in langfristige Lösungen: nachhaltige Wasserprojekte, die Gemeinden dauerhaft versorgen. Landwirtschaftsprogramme wie FMNR, die Familien helfen, sich selbst zu ernähren. Bildungsprogramme, die Kindern eine Zukunft geben. Hilfe, die bleibt, auch wenn die Krise aus den Schlagzeilen verschwindet.

Was du in den nächsten 40 Tagen tun kannst

Die Fastenzeit ist eine Einladung. Nicht zur Perfektion, sondern zur Aufmerksamkeit. Ein paar Ideen, wie der eigene Verzicht über dich hinaus wirken kann:

  • Statt Kaffee am Morgen: Leg den Betrag zur Seite. Am Ende der Fastenzeit hast du genug für eine Spende, die eine Familie einen Monat lang ernährt.
  • Statt Schokolade am Abend: Lies, was in Sudan, Afghanistan oder Somalia passiert. Wissen ist der erste Schritt.
  • Statt allein verzichten: Teile diesen Artikel. Erzähle jemandem, dass Fastenzeit und Ramadan dieses Jahr am selben Tag beginnen. Manchmal ist ein Gespräch der Anfang von allem.
  • Oder ganz konkret: Mit 80 Euro kann World Vision eine Familie in Somalia einen Monat lang mit Nahrungsmitteln versorgen.

Aus einem Zufall ein Zeichen machen

Dass Fastenzeit und Ramadan 2026 am selben Tag beginnen, ist astronomischer Zufall. Dass Millionen Menschen in Österreich in den kommenden Wochen bewusst verzichten, ist freie Entscheidung. Und dass 318 Millionen Menschen weltweit unfreiwillig hungern, ist weder Zufall noch Entscheidung – sondern eine Realität, die wir verändern können.


Vielleicht ist das der schönste Gedanke, den Fastenzeit und Ramadan teilen: Dass weniger für mich mehr für andere bedeuten kann. Nicht als Pflicht. Als Möglichkeit.

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