Klimaresilienz im Amazonasgebiet
Projektname: Forecasting Resilience: AI-Driven Early Warning and Anticipatory Action for Climate-Resilient Communities
Laufzeit: Jänner 2026 bis Dezember 2027 (24 Monate)
Länder: Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Peru
Geber: Europäische Union (ECHO), Eigenmittel
Partner: World Vision Brasilien, World Vision Kolumbien, World Vision Ecuador, World Vision Peru, Fundação Amazônia Sustentável, 3iS
KI-gestützte Frühwarnung und vorausschauendes Handeln für klimaresiliente Gemeinden
Überschwemmungen, die Ernten vernichten. Dürren, die Böden austrocknen. Waldbrände, die Lebensräume zerstören. Für Gemeinden im Amazonasgebiet von Brasilien, Kolumbien, Ecuador und Peru sind Klimakatastrophen längst Alltag. Besonders betroffen: Kinder und ihre Familien, die oft tagelang von der Außenwelt abgeschnitten sind, wenn das Wasser steigt oder der Rauch die Luft undurchdringlich macht.
Gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort arbeiten wir daran, das zu ändern. Nicht mit kurzfristiger Nothilfe allein, sondern mit einem Ansatz, der Gemeinden befähigt, Krisen vorherzusehen und rechtzeitig zu handeln.
Wenn der Fluss zur Bedrohung wird
Das Dreiländereck im Amazonasgebiet zwischen Kolumbien, Brasilien und Peru sowie die Amazonasregion in Ecuador gehören zu den verwundbarsten Gebieten Südamerikas. Die Gemeinden hier leben in enger Verbindung mit dem Fluss und dem Regenwald. Doch was Jahrhunderte lang Lebensgrundlage war, wird durch den Klimawandel zunehmend zur Gefahr.
Wiederkehrende Überschwemmungen, anhaltende Dürren und sich ausbreitende Waldbrände bedrohen Ernten, Trinkwasserquellen und die Gesundheit der Menschen. Viele Gemeinden liegen so abgelegen, dass Warnungen sie erst erreichen, wenn es bereits zu spät ist. Funkverbindungen sind lückenhaft, Regenmessstationen fehlen, und das überlieferte Wissen über Naturzyklen verliert angesichts neuer, unberechenbarer Wettermuster an Verlässlichkeit.
Vorwarnen, vorbereiten, vorausschauend handeln
Unser Projekt verbindet moderne Technologie mit dem Wissen der Menschen vor Ort. Im Mittelpunkt steht ein hybrides Frühwarnsystem, das auch dort funktioniert, wo es kein stabiles Internet gibt. Konkret heißt das: KI-gestützte Analysen in regionalen Zentren werden kombiniert mit bewährten Mitteln wie SMS, Radio und lokaler Umweltbeobachtung. So erreichen Warnungen auch die entlegensten Dörfer.
Der Ansatz beginnt bei den Gemeinden selbst. In sogenannten partizipativen Bewertungen erfassen die Menschen gemeinsam mit Fachleuten die Risiken in ihrem Gebiet. Dabei fließen wissenschaftliche Klimadaten ebenso ein wie das Wissen der lokalen und indigenen Bevölkerung über ökologische Zusammenhänge. Aus diesen Erkenntnissen entstehen Notfall- und Anpassungspläne, die von den Gemeinden selbst getragen werden.
Lokale Strukturen stärken, nachhaltig absichern
Ein zentraler Baustein des Projekts ist die Einrichtung und Schulung von Katastrophenvorsorge-Ausschüssen in den Gemeinden. Diese Ausschüsse sind inklusiv aufgebaut und beziehen Frauen, Jugendliche und indigene Gemeinschaften aktiv ein. Sie werden befähigt, Gefahren frühzeitig zu erkennen, Evakuierungen zu koordinieren und Hilfsmaßnahmen vor Ort zu leiten.
Die kommunalen Notfallzentren erhalten digitale Dashboards und energiesparende Systeme, um auch bei Stromausfällen einsatzfähig zu bleiben. Frühwarnprotokolle werden mit konkreten Ökosystem-Indikatoren verknüpft, etwa dem Zustand der Uferzonen oder dem Fortschritt der Entwaldung. Wenn bestimmte Schwellenwerte überschritten werden, greifen vorbereitete Maßnahmen, noch bevor eine Katastrophe eintritt. Dieses Konzept heißt in der Fachsprache Anticipatory Action: vorausschauendes Handeln, das Schäden verringert, bevor sie entstehen.
Weil das Projekt grenzüberschreitend arbeitet, entstehen Netzwerke zwischen Gemeinden in vier Ländern. Sie tauschen Erfahrungen aus, stimmen Warnmeldungen ab und unterstützen einander im Krisenfall. So wird Katastrophenvorsorge nicht an der Landesgrenze aufgehalten.
Technologie, die bleibt
Damit die Wirkung über die Projektlaufzeit hinausreicht, setzen wir auf Open-Source-Technologie, die auch nach Projektende frei verfügbar ist. Der Aufbau lokaler Kompetenzen stellt sicher, dass die Gemeinden ihre Systeme eigenständig betreiben und weiterentwickeln können. Ergänzend werden Ko-finanzierungsstrategien mit lokalen Behörden entwickelt, um die langfristige Finanzierung der Maßnahmen zu sichern.
Das Ergebnis ist ein Modell, das skalierbar, inklusiv und ökologisch nachhaltig ist. Ein Modell, das zeigt: Klimaresilienz beginnt dort, wo die Menschen leben. Mit dem richtigen Wissen, den richtigen Werkzeugen und der richtigen Unterstützung können Gemeinden sich schützen. Heute und in Zukunft.

