30 Hühner und ein Traum.

Wie eine Familie in Tansania entdeckte, was in ihr steckt – und was deine Unterstützung möglich macht.

Ein Stück Land, eine Handvoll Hühner, kein Plan.

Tuten Mwambus ist 33 Jahre alt, Vater von drei Kindern und lebt in Idumbala, einer ländlichen Gemeinde in Tansania. Vor drei Jahren bewirtschaftete er sein Land so, wie er es gelernt hatte: traditionell, ohne große Erwartungen. Er hielt 30 Hühner. Das war sein Betrieb.
Dostea Ngwema, seine Frau, kümmerte sich um den Haushalt und die Kinder. Zwei davon sind Patenkinder bei World Vision. Die Familie kam über die Runden. Aber kaum mehr als das.
Heute, drei Jahre später, sieht Tutens Farm anders aus. Über 100 Hühner, Milchkühe, Schweine, Gemüsegärten, drei Fischteiche, Bienenstöcke für Honigproduktion und eine Avocado-Plantage, die in den nächsten Jahren Ertrag bringen wird.
Was ist passiert? Kein Geldregen. Kein großes Hilfsprojekt, das alles geändert hat. Sondern etwas viel Einfacheres – und gleichzeitig viel Tieferes.

Die Idee, die alles verändert:
Du hast schon, was du brauchst.

Empowered Worldview – so heißt das Programm, das den Unterschied gemacht hat. Es liefert keine Hilfsgüter. Keine Maschinen. Keine Setzlinge. Stattdessen stellt es eine einzige Frage, die alles verändert: Was hast du schon? Was kannst du schon? Was steckt in dir, das du noch nicht siehst?

Das klingt abstrakt. Ist es aber nicht. Empowered Worldview wurde 2015 in Tansania entwickelt – genau dort, wo Tuten und Dostea leben. Es entstand aus einer konkreten Beobachtung: In vielen Gemeinden hatten Bäuerinnen und Bauern fruchtbares Land, Arbeitskraft und Ideen. Aber sie glaubten nicht daran, dass sie selbst etwas verändern können. Jahrelange Abhängigkeit von außen hatte ein Bild geprägt, in dem Veränderung immer von woanders kommen muss.

World Vision nannte das „Armut des Seins“ – nicht die Armut an Geld oder Ressourcen, sondern die Armut an Selbstvertrauen, an Identität, an der Überzeugung, dass man selbst gestalten kann. Und genau dort setzt Empowered Worldview an.

Das Programm besteht aus fünf Modulen, die in mehrtägigen Workshops vermittelt werden: Identität, Vision, Mitgefühl, Beziehungen und Glaube. Es baut auf dem Grundgedanken auf, dass jeder Mensch Stärken, Kreativität und Ressourcen besitzt – und dass Veränderung von innen beginnt, bevor sie nach außen sichtbar wird.

Von 30 Hühnern zu Drei Fischteichen

Für Tuten und Dostea begann die Veränderung mit einem Training.

World Vision Tansania begleitete die Familie Schritt für Schritt: zuerst die Workshops, in denen sie lernten, ihre eigenen Fähigkeiten und Ressourcen neu zu sehen. Dann Austauschbesuche zu erfolgreichen Farmen in anderen Regionen, die zeigten, was möglich ist. Schließlich die Teilnahme an der nationalen Landwirtschaftsausstellung Nane Nane – Tansanias größtem Agrar-Event.

Mit diesem Wissen und diesem neuen Blick auf sich selbst begann die Familie zu investieren. Zuerst in mehr Hühner. Dann kam die Milchkuh dazu, die regelmäßiges Einkommen brachte. Dann Schweine. Dann legten sie Gemüsegärten an. Einen eigenen Brunnen. Fischteiche folgten, weil Tuten bei einem Austauschbesuch gesehen hatte, wie andere Familien damit zusätzliches Einkommen erwirtschaften. Und die Avocado-Plantage ist seine langfristige Investition – ein Projekt für die Zukunft seiner Kinder.

World Vision unterstützte dabei gezielt: mit einer Milchkuh, mit Bienenstöcken, mit fachlicher Begleitung. Aber der Antrieb kam von der Familie. Die Entscheidungen kamen von der Familie. Die Vision kam von der Familie.

Warum deine Unterstützung hier tiefer wirkt als du denkst

Was Tuten und Dostea erlebt haben, ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster, das sich in über 40 Ländern wiederholt, in denen World Vision Empowered Worldview einsetzt – ermöglicht durch Patinnen, Paten und Spendende, die genau solche Programme finanzieren.

In Sambia zeigt eine unabhängige Studie: Familien, die am Programm teilgenommen haben, erreichen deutlich höhere Werte bei Hoffnung, Selbstvertrauen und Zukunftsplanung als Vergleichsgruppen – und diese Effekte halten drei bis fünf Jahre nach dem Training an. In Tansania stieg das monatliche Haushaltseinkommen der Teilnehmenden messbar. Am deutlichsten war der Effekt bei Familien, die vorher wenig hatten, aber genug Grundlagen, um darauf aufzubauen – genau wie Tuten und Dostea.

Die Forschung bestätigt, was in Idumbala sichtbar wird: Empowered Worldview wirkt wie ein Verstärker. Es multipliziert die Wirkung von allem – Spargruppen, landwirtschaftlichem Wissen, Zugang zu Märkten. Deine Unterstützung finanziert nicht nur ein Training. Sie setzt einen Prozess in Gang, der Herz, Kopf und dann die wirtschaftliche Veränderung erreicht. In dieser Reihenfolge.

Was in Idumbala gerade entsteht

Anfang Dezember besuchte ein Team von World Vision Österreich – drei Kolleginnen und Kollegen und ein Vorstandsmitglied – das Projekt in Idumbala. Sie sahen Schulen, eine Gesundheitsstation für Mütter, eine Spargruppe. Und sie trafen Familien wie die von Tuten und Dostea.

In Idumbala wurden 2022 zwölf lokale Trainerinnen und Trainer ausgebildet – acht Männer und vier Frauen. Sie geben das Wissen aus den Empowered-Worldview-Workshops an andere Familien weiter und begleiten sie bei der Umsetzung. Nicht als externe Fachleute, sondern als Nachbarinnen und Nachbarn, die denselben Weg gehen. Diese Art der Weitergabe – von Mensch zu Mensch, innerhalb der Gemeinschaft – ist der Kern des Programms. World Vision nennt es den „Buschfeuer-Effekt“: Wenn eine Person Feuer fängt, breitet sich die Veränderung aus.

Hilfe, die weiter lebt

Empowered Worldview ist ein zentraler Baustein in World Visions Ansatz der nachhaltigen Entwicklung. Denn World Vision arbeitet in Programmgebieten wie Idumbala nicht für immer. Zehn bis 15 Jahre begleitet die Organisation eine Gemeinschaft – mit dem Ziel, sich danach zurückziehen zu können. Damit das funktioniert, müssen Familien und Gemeinschaften in der Lage sein, ihren Weg selbst weiterzugehen.

Genau das schafft Empowered Worldview. Es legt die Grundlage dafür, dass Spargruppen weiterarbeiten, wenn World Vision geht. Dass Bäuerinnen und Bauern neue Anbaumethoden ausprobieren, weil sie an sich glauben. Dass Eltern ihre Kinder in die Schule schicken, weil sie an deren Zukunft glauben.

Für jedes Kind, dem geholfen wird, profitieren vier weitere Kinder in der Gemeinschaft. Dieser Multiplikatoreffekt – das Herzstück von World Visions Arbeit – funktioniert nur, wenn Menschen wie Tuten und Dostea nicht Empfänger von Hilfe sind, sondern Gestalter ihrer eigenen Veränderung.

Was in 30 Hühnern stecken kann

Tuten und Dosteas Geschichte zeigt, was passiert, wenn jemand sagt: Du hast schon, was du brauchst. Schau genauer hin. Vor drei Jahren hatten sie 30 Hühner und ein Stück Land. Heute haben sie eine Farm, die ihre Familie ernährt, ihre Kinder in die Schule schickt und andere in der Gemeinschaft inspiriert und beschäftigt.

Der größte Unterschied war nicht die Milchkuh. Nicht die Bienenstöcke. Sondern der Moment, in dem sie verstanden haben, was in ihnen steckt.

Und in Idumbala entsteht gerade etwas, das größer ist als eine einzelne Farm.
Etwas, das bleibt.

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