Eine Mahlzeit, die bleibt

Warum Schulessen so viel mehr ist als ein voller Magen.

Chandy war 13 und ging in Kambodscha in die sechste Klasse, als World Vision sie traf. Ihr liebstes Fach war Khmer, ihr Traum war es, Lehrerin zu werden. In ihrem früheren Schulbezirk gab es kein Schulessen. Deshalb stand ihre Mutter jeden Morgen früh auf, um zu kochen und das Essen einzupacken. Das war nicht leicht: Nicht jede Mutter kann sich nahrhafte Zutaten leisten, und nicht jede hat die Zeit dafür. Manche Eltern kochen gar nicht, erzählt Chandys Mutter, weil sie auf dem Feld zu tun haben. Einige Kinder aus der Nachbarschaft haben die Schule abgebrochen.

Dann wechselte Chandy die Schule. Dort gab es jeden Morgen Frühstück für alle Kinder. Für ihre Mutter war das eine Erleichterung: Das Kochen am Morgen fiel weg, und weil in der Schule alles sauber und hygienisch war, machte sie sich keine Sorgen mehr. Chandys Lieblingsgerichte waren saure Suppe und gebratener Reis. Den Reis mochte sie, weil Gemüse, Karotten und Bohnen drin waren.

Was sie ändern würde, wenn sie könnte, weiß Chandy genau: „Wenn ich Premierministerin wäre, würde ich zwei Mahlzeiten für die Kinder in der Schule unterstützen. Denn mit Mittagessen hat man beim Lernen nicht so viel Hunger. Dann geht es leichter. Und die Eltern müssen weniger Geld ausgeben.“

Ein Frühstück, ein Lieblingsgericht, eine Mutter, die sich weniger sorgen muss. Das klingt nach wenig. Für Kinder wie Chandy ist es viel, und für Millionen andere noch immer unerreichbar.

Am Welternährungstag, dem 16. Oktober, geht es um die großen Fragen: Wie ernähren wir eine wachsende Welt? Das Motto der FAO lautet in diesem Jahr „Innovate today to feed tomorrow“, also: heute neue Wege finden, um morgen alle zu ernähren. Eine der wirksamsten Antworten klingt dagegen fast unscheinbar: ein Teller Essen in der Schule.

Wer hungrig ist, lernt nicht

Ein Kind, das mit leerem Magen im Klassenzimmer sitzt, kann sich kaum konzentrieren. Und wo das Geld zu Hause knapp ist, entscheidet manchmal eine einzige Mahlzeit, ob ein Kind überhaupt zur Schule kommt. Laut Welternährungsprogramm erhalten inzwischen rund 466 Millionen Kinder weltweit Schulmahlzeiten. Doch etwa die Hälfte der Kinder im Volksschulalter geht noch immer leer aus. In Ländern mit niedrigem Einkommen erreichen Schulmahlzeiten nur 27 Prozent der Kinder, in Ländern mit hohem Einkommen dagegen 80 Prozent.

Was eine Mahlzeit alles bewegt

Schulessen macht satt, und das ist erst der Anfang. In Burundi gibt es an der Schule der 13-jährigen Esther seit Oktober 2023 eine Schulküche, in der Eltern mitkochen. Esther sagt, das Essen schmecke ihr, und die Portionen reichen aus. Laut dem Schulleiter gehen die Schulabbrüche seither zurück, und die Leistungen steigen.

Dazu kommt die Entlastung der Familien: Wenn Eltern kein Essen mehr für die Schule einpacken müssen, sparen sie laut Welternährungsprogramm etwa zehn Prozent ihres Einkommens. Das Essen gibt Kindern einen Grund, jeden Tag zu kommen, und Eltern einen Grund, sie in der Schule zu lassen. In Krisengebieten helfen Schulmahlzeiten sogar dabei, dass Schulen geschützte Orte bleiben. Und ein warmes Essen mit Freundinnen und Freunden tut auch der Seele gut.

Was bleibt, wenn das Projekt endet

World Vision arbeitet in Kambodscha seit 2017 gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm und den Bildungsbehörden der Provinzen. Insgesamt wurden 316 Volksschulen unterstützt und mehr als 136.000 Kinder erreicht. Dazu entstanden Küchen, überdachte Essplätze und Wasserstellen. Entscheidend ist, was bleibt: Für 241 dieser Schulen hat die Regierung die Verantwortung und das Budget bereits übernommen, und Eltern steuern freiwillig Zutaten und Instandhaltung bei.

Dass Regierungen so ein Programm selbst tragen können, zeigt Ghana. Dort finanziert die Regierung landesweit Schulessen für rund 2,9 Millionen Kinder, ohne auf externe Projektgelder angewiesen zu sein. Beim Gipfel der Schulmahlzeiten-Koalition im September 2025 in Fortaleza (Brasilien) kamen über 80 Mitgliedstaaten zusammen. Am Ende standen 40 neue Regierungszusagen für Schulmahlzeiten.

Auch Kinder packen selbst an. In Haiti bauten Sechstklässlerinnen und Sechstklässler das Gemüse selbst an und ernteten es. Später landete es in ihrem eigenen Schulessen, und so übernahmen sie echte Verantwortung für ihr Essen. Für den Bericht „Our Meals, Our Voices“ befragten 1.235 Kinder in 13 Ländern ihre Gleichaltrigen. Eine 15-jährige Kinderforscherin aus Brasilien sagt: „Wir wollten, dass die Welt direkt von uns hört. Wer weiß besser als wir Kinder, was ein Schulessen bedeutet? Wir essen es ja jeden Tag.“

Wo das Essen gerade wegbricht

Gleichzeitig gerät vieles ins Wanken. Die Entwicklungshilfe der Geberländer ist 2025 um fast ein Viertel eingebrochen, und Programme werden gekürzt. In Guinea-Bissau etwa hat das Welternährungsprogramm die Schulmahlzeiten zuletzt von rund 283.000 auf etwa 152.000 Kinder zurückgefahren. Für viele Kinder ist die Schulmahlzeit die einzige nahrhafte Mahlzeit am Tag.
World Vision hat 2025 mit Schulmahlzeiten über eine Million Kinder in 20 Ländern erreicht. Das ist viel, und doch nur ein Bruchteil dessen, was gebraucht wird. Chandy hat ihr Frühstück bekommen. Dass jedes Kind in der Schule satt wird, ist keine Frage des Könnens. Es ist eine Frage des Willens.

Was du tun kannst

Mit einer Patenschaft begleitest du ein Kind und seine Gemeinschaft über viele Jahre, bei Ernährung, Gesundheit und Bildung. Mit einer Spende für die Hunger-Hilfe unterstützt du Familien dort, wo es am dringendsten ist.

Eine Mahlzeit kann entscheiden, ob ein Kind in der Schule bleibt. Lass uns dafür sorgen, dass jedes Kind bleiben kann.

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