Kleine Beträge, große Wirkung
Wie eine Spargruppe in Sierra Leone Mamies Schulweg sicherte.
Mamie ist fünfzehn und lebt mit ihrer Familie in Bandajuma, einem Dorf im ländlichen Sierra Leone. Sechs Menschen in einem einzigen Raum. Ihr Vater arbeitet als Taglöhner und Subsistenzbauer — sein Einkommen reicht selten länger als zwei Wochen. Ihre Mutter bewirtschaftet einen kleinen Gemüsegarten hinter dem Haus, verkauft an Markttagen, was übrig bleibt, und versucht, die Familie über die Runden zu bringen.
Für Mamies Schulbildung blieb dabei wenig übrig. Hefte, Stifte, Schulgebühren — alles fehlte. Sie verpasste immer öfter den Unterricht. Irgendwann begann sich Schule wie etwas anzufühlen, das sich nicht lohnte. Vor allem, weil die Zeit, die sie nicht in der Schule verbrachte, zu Hause gebraucht wurde.
Wie eine Spargruppe alles verändert
Mamie ist Patenkind bei World Vision. Über das Patenschaftsprogramm erfuhr ihre Mutter Mariama von der Wanjei-Spargruppe im Dorf — einer Gruppe von 25 Mitgliedern, davon 21 Frauen. Anfänglich skeptisch, begann Mariama, jede Woche kleine Beträge aus ihren Gemüseverkäufen einzuzahlen. Mit der Zeit qualifizierte sie sich für einen Kredit, den sie in haltbare Lebensmittel investierte, die sie von zu Hause aus weiterverkaufte.
Aus einer Mutter, die kaum genug zu essen hatte, wurde eine Geschäftsfrau.
Wenn du kein Geld hast, hast du keine Stimme. Früher haben wir uns nicht einmal getraut, in der Öffentlichkeit mit anderen zu reden. Jetzt können wir uns das meiste von dem, was wir brauchen, selbst leisten.
– Mariama, Mamies Mutter

Kurz darauf trat auch Mamies Vater einer Spargruppe bei. Mit einem kleinen Kredit investierte er in Saatgut und Werkzeuge und konnte seine Ernte steigern. Die Familie hatte plötzlich etwas, das sie vorher nicht kannte: einen Puffer. Genug, um nicht nur zu überleben, sondern zu planen.
Was sich für Mamie geändert hat
Mamie verpasst keinen Unterricht mehr. Sie hat Schulmaterial, sie kann sich konzentrieren, und sie hat ihre Prüfungen bestanden. Aber was sich vielleicht am stärksten verändert hat, ist nicht ihr Zeugnis — sondern wie sie über sich selbst denkt.
Ich habe nicht mehr ständig Angst, woher das nächste Essen kommt. Ich bin jetzt nicht nur pünktlich in der Schule, sondern habe auch bessere Noten. Mein Selbstwertgefühl und meine Hoffnung auf eine bessere Zukunft sind zurückgekommen.
– Mamie, 15 Jahre

Mamie traut sich wieder zu träumen. In einem Land, in dem jedes fünfte Kind im Grundschulalter nicht eingeschult ist und die Teilnahme in der Sekundarstufe drastisch einbricht, ist das nicht selbstverständlich. Aber zum ersten Mal scheint eine Zukunft erreichbar.
Mamies Geschichte zeigt, wie Patenschaft wirkt, wenn sie über das einzelne Kind hinausdenkt. Nicht Mamie selbst hat sich verändert — sondern die Bedingungen um sie herum. Ihre Mutter hat eine Existenz aufgebaut. Ihr Vater hat in seine Landwirtschaft investiert. Und Mamie? Muss sich nicht mehr zwischen Schule und Überleben entscheiden.

Das ist kein Zufall, sondern das Prinzip. Eine Patenschaft bei World Vision geht nicht als Bargeld an ein einzelnes Kind. Sie verändert die Bedingungen in einer ganzen Gemeinschaft, und deshalb reicht ihre Wirkung weit über den Namen auf einem Foto hinaus. In Bandajuma sind das zuerst die anderen fünf Menschen in Mamies Haus. Dann die 25 Familien der Wanjei-Spargruppe. Und dann alle, die von ihnen kaufen, bei ihnen arbeiten und mit ihnen rechnen können.
Manchmal beginnt Bildung nicht im Klassenzimmer. Sondern in einer Spargruppe.
Wie es weitergeht, wenn ein Kind erst einmal in der Schule bleibt, erzählt Phanet in „Derselbe Tisch, die andere Seite“. Und warum für manche Mädchen nicht das Geld, sondern der Schulweg das Problem ist, steht in „12 Kilometer im Dunkeln“.

